Schreiben als Selbstwirksamkeitsboost
Schreiben ist nicht gleich Schreiben. Ich kann einen Einkaufszettel schreiben, der mir hilft, mich an alles zu erinnern, was ich brauche, wenn ich im Supermarkt stehe. Ich kann aber auch Veränderungs- und Bewältigungsprozesse in meinem Leben schreibend begleiten, ja sogar steuern. Das kann anstrengend sein, aber es lohnt sich, immer. Wenn wir über uns schreiben, ordnen wir, geben wir Bedeutung, stellen Zusammenhänge her, gelangen zu Einsichten. Was für ein Booster für unsere Selbstwirksamkeit! Schreibend denken wir, schreibend (er-)leben wir (neu).
Ich bin ganz ehrlich: Das Schreiben mit der Hand strengt mich als Schriftstellerin (und ehemalige Teilnehmerin an 10-Finger-Tastaturschreib-Wettbewerben, in meiner Lehrzeit) schon auch an. Doch händisches Schreiben wirkt nachhaltiger. Beim Tippen werden weniger Hirnregionen angesprochen. Schreiben mit der Hand hat also eine größere Verarbeitungstiefe.
Anders als beim professionellen literarischen Schreiben liegt der Fokus beim selbstreflexiven, expressiven Schreiben nicht bei einer "guten Geschichte", beim Endprodukt Buch, es geht also nicht um den Text, es geht: um den Prozess, um Erkenntnis, Klarheit und die Möglichkeit zur Transformation.
(Ressourcenorientiertes) Schreiben fördert unsere Selbstwirksamkeit. Wir glauben an unsere Fähigkeiten und dass wir in der Lage sind, zu bewirken, zu verändern, zu gestalten.
Unser Selbstwirksamkeitsempfinden als Ressource
Noch bevor wir schwanger sind, lernen wir etwas über Geburt, das uns beeinflusst. Es ist ein Lernen aus Filmen, aus der Geschichte, aus den Erzählungen über "schwierige Geburten", wir lernen, dass Geburten gefährlich sind, kontrolliert werden müssen, dass medizinisches Fachpersonal besser wissen, was wann zu tun ist, Frauen* verinnerlichen: Ich kann das nicht allein. Wir lernen, was alles in eine Kliniktasche muss, aber nicht, wie wir unsere Kraft abrufen. Wir lernen, dass der "Fliegergriff" zur Beruhigung eines Babys nicht mehr angewendet werden soll und wie man dem "Plötzlichen Kindstod" vorbeugt, aber nicht, dass wir in jedem Moment das Beste machen, selbst wenn wir am Tiefpunkt unseres Wochenbetts für eine Minute unser derzeitiges Leben, unsere*n Partner*in, ja vielleicht sogar unser Kind hassen.
Die tradierten Narrative von Geburt und Mutterschaft stehlen uns unsere Selbstwirksamkeit. NEUGEBÄREN soll helfen, sie zurückzuholen! Wir dürfen die Erfahrungen unserer Geburten und Wochenbetten als Ressource integrieren, nicht als kräftezehrende Erinnerung, an die wir lieber nicht mehr denken wollen. Was spricht dagegen, uns unsere Kraft, unser Vertrauen in uns und unser Kind, unsere Selbstwirksamkeit zurückzuholen?