Das Material als Ausdruckshelfer

NIMM, WAS DIR GEFÄLLT oder was du eh schon zu Hause hast: Denn NEUGEBÄREN soll nicht sein, dass du dich in Unkosten stürzt. Ich weiß, wovon ich rede, man kann Unmengen an Material kaufen und wird mit einem Schlag schon mal zwei- bis dreihundert Euro los. Dabei bin ich nicht mal eine, die das Teuerste und Beste nimmt. Mein Hauptmedium ist und bleibt die Schrift, das merke ich bei meinem Material-Pragmatismus.

Vielleicht hast du ja bereits künstlerische Erfahrung oder bist sowieso ein künstlerischer Profi, dann hast du ohnehin deine eigenen Vorstellungen. Wenn nicht, hör auf dein Gefühl, was dir liegen könnte oder was du gern ausprobieren würdest. Ich z. B. hatte lange Hemmung, Aquarell oder Kreide auszuprobieren. Dann habe ich gefühlt, dass eine mit vor allem Schrift gestaltete Doppelseite noch nicht fertig ist und habe spontan den Aquarellkasten geöffnet. Was für eine schöne Überraschung das war ... Und genau solche Überraschungen wünsche ich dir auch! In Text und Bild.

Altes Papier

als Klebeunterlage oder zum Einlegen, wenn du dein Journal zuklappen möchtest, die Farbe aber noch nass ist. Ich lege mir jede Woche, wenn unsere Gemüstekiste kommt, das darin enthaltene Packpapier auf die Seite. Zum Einen eben dafür, zum anderen lässt sich damit, zugeschnitten, auch ein Heft als Inlay für Bücher machen. An anderer Stelle zeige ich noch, wie du mit altem Papier Minibooks kreieren und in dein Journal einfügen kannst. Altapier rules! 

Kleber & Schere

Als Kleber verwende ich Stifte, flüssige Kleber und Papierkleber. Nicht jeder Kleber klebt gut (z. B. der im Foto in Weiß-Blau-Rot ist nicht zu empfehlen, Uhu-Stick finde ich tatsächlich die erste Wahl von dem, was im normalen Handel erhältlich ist). Die Tube hier ist Bastelkleber für Kinder. Ja, manchmal teilen meine Kinder und ich uns unsere Kreativmaterialien. Vor allem, da ich nicht möchte, dass selten verwendete Kleber austrocknen. Als Schere ist eher eine Bastelschere zu empfehlen, das reicht für Papierarbeiten völlig aus.

Fineliner

Zum Schreiben eignen sich Fineliner sehr gut. (Du kannst natürlich auch deinen liebsten Kugelschreiber verwenden oder eine Füllfeder.) Fineliner kriegst du in verschiedenen Stärken. Die dickeren Stifte sind gut, um z. B. schon farbige Striche nachzufahren. Ich benutze schwarze Stabilo Boss (in verschiedenen Stärken) und verschiedenfarbige Fineliner mit Metallic-Effekt. Am besten testest du, ob dir ein Stift liegt, in einem Papiergeschäft. Mit Finelinern kannst du zu fast allen Materialien hier zusätzlich arbeiten. Du kannst mit ihnen umrahmen, du kannst Linien ziehen oder figurativer gestalten auf einer Seite, die du mit einer anderen Technik vorbereitet hast. Auch für filigrane Muster (siehe der Impuls "Schnipselpoesie" bei den Bonusimpulsen im Willkommensmodul) eignen sich Fineliner einfach am besten. 

Aquarellfarbe

Mit Aquarelltechnik (also "Wasserfarben" mit mehr oder weniger Wasser vermischt - je nachdem, ob du den Farbton kräftiger oder heller möchtest) kannst du mit Spontaneität und Flow malen, es geht weniger ums Detail, sie laden dich ein zum "Fließen". Aquarell ist nicht vollständig planbar, das macht auch ihren Reiz aus, kreative "Unfälle" können gute Akzente werden. Aquarellfarbe kann dezent als Hintergrund verwendet (z. B. als Farbwolke für ein Wort) oder mit Fineliner kombiniert werden (Mixed Media). Für den Anfang reichen ein Farbkasten und ein paar Pinsel in verschiedenen Dicken aus. Es gibt auch spezielle Wassertankpinsel, wo das Wasser während dem Malen oder Farbeaufnahmen herausgepumpt werden kann. Nur das Papier ist tricky: Die Stärke sollte mindestens 200g/m2 haben. Du kannst aber auch zwei Seiten zusammenkleben und das als dicke Seiten verwenden, wenn Aquarell nicht ständig verwenden möchtest. Und hallo, Geduld: Aquarell braucht eine (zwar relativ kurze, aber doch) Trocknungszeit! 

Buntstifte

Jede*r kennt sie wohl aus Kindheit und Schulzeit, sie sind niederschwellig, man weiß worauf man sich einlässt: die guten alten Buntstifte. Kein Wasser nötig (also auch auf dem Sofa möglich), kein Trocknen, kaum Troubles mit Papierstärke. Sie sind ideal für Details, für Schraffierung, Schattierung. Auch sie können kombiniert werden, mit Wachsmalkreiden, über trockene Aquarellflächen, gemeinsam mit Finelinern, als Textur auf Collagen. Buntstifte bieten Ruhe und Struktur (statt expressiver Farbexplosion). Auf sanften Druck achten (damit das Papier nicht reißt). Günstige Stiften haben oft weniger Farbpigmente, besser auf bewährte Marken setzen, Faber Castell reicht aus. Sie sind die erste Wahl, wenn doch noch Angst vor "Fehlern" zu spüren ist. Buntstifte laden dazu ein, spielerisch, "wie früher", zu beginnen. Aber nur zur Erinnerung: FEHLER sind HELFER. Und übrigens: Es gibt auch welche, die man mit Wasser kombinieren kann und ein bisschen auf Aquarelltechnik tun.

Wachsmalkreiden

Für die große Geste kann's auch mal die Wachsmalkreide mit ihrer dicken Spitze sein. Wer gern detailorientiert gestaltet, kann sich durch den groben Strich eingeschränkt fühlen. Die kräftigen, satten Farben sind ideal für intensive, laute Stimmungen. Sie eignen sich gut für den spontanen Ausdruck ohne viel zu überlegen. Ich verwende die Wachsmalkreiden, die auch viele Kinder kennen: die Woodys von Stabilo. Die lassen sich auch mit Wasser bearbeiten und werden, so vermalt, flächiger, (drucken leider aber auch ziemlich auf die Rückseite durch). Wachsmalkreiden sind in ihrer Benützung recht intuitiv - außerdem niederschwellig, da die meisten Erwachsenen als Kind Erfahrung damit gesammelt haben. Doch z. B. der Woody färbt durch seine Fettigkeit ab (ein Fall für das Altpapier, das zwischen die Seiten gelegt wird, bis die Farbe trocken ist). Du kannst aber auch ein Transparentpapier einkleben oder mit einem Fixativ-Spray (wie für die Pastellkreiden) die Farbe fixieren. 

Acrylfarben

sind stark deckend und geben Struktur. Perfekt, um Flächen zu gestalten oder eine Seite (die man z. B. neu gestalten will) zu übermalen. Sie sind optimal für Schicht-Technik. Sie brauchen - wie Aquarell - aber etwas Zeit zum Trocknen, sofortiges Drüber- oder Drumherumschreiben ist also nicht möglich. Du kannst die Acrylfarben mit Pinsel auftragen oder einer Spachtel (eine Spachtel kannst du dir auch schnell aus einem Karton schneiden, auch alte Plastikkarten aus der Geldtasche eignen sich super), auch mit Fingern oder mit Blumen kannst du Acrylfarben auftragen, das ergibt nochmals eine interessante Optik. Mit anderen Materialien gemixt (Fineliner, Kreiden ...) kannst du gute Akzente setzen. Auch Stempeldruck oder Druck mit z. B. Schablonen eignen sich gut, z. B. als Verzierung oder Hintergrundgestaltung. Das Papier sollte für Acrylfarben - wie bei Aquarell - dick genug sein, sodass es sich nicht wellt oder durchdruckt. Pinsel bitte sofort auswaschen, Acryl trocknet hart und schnell. Acrylfarbe heißt: Mut zum Ausdruck, zum Neubeginn, zum Klotzen und Kleckern!

Acrylstifte

schreiben und zeichnen deckend - anders als Filzstifte - auf fast allen Untergründen (von weißem zu schwarzem Papier, auf Fotos, Steinen, ja sogar auf Holz). Auf dem Foto ist gut zu sehen, dass Acrylstifte außerdem decken sind, die Polkadots in weiß und türkis übermalen mit Leichtigkeit den roten Hintergrund. Acrylfarben sind ideal für Kontraste und Highlights. Im Gegensatz zu flüssiger Acrylfarbe ermöglichen sie exakte Linien, Punkte und Schriftzüge. Auch die Acrylfarbe in Stiftform ist wischfest nach dem Trocknen (siehe der Wasserstrich am Foto, er nimmt keine Farbe mit). Auf rauem Untergrund und bei langem Malen auf einer Fläche können die Spitzen schnell ausfransen. Ich benutze Acryl Marker, die auf der einen Seite eine dicke, pinselartige Spitze und auf der anderen Seite eine dünne, eher filzstiftähnliche Spitze haben. Manche Acrylstifte sollten vor dem Gebrauch geschüttelt werden, da die Farbe aus Pigment und Bindemittel besteht.

Filzstifte

Der Unterschied von Acrylstift vs. Filzstift ist schnell erklärt: Acrylstifte sind pigmentreich, weil auf Acrylbasis, und verwischen nicht, wenn sie getrocknet sind. Filzstifte haben eine Wasser- oder Alkoholbasis und verwischen daher schnell (siehe die Wolke im Foto). Die Deckkraft von Acryl ist groß und auch auf dunklem Papier gegeben, die von Filzstiften ist gering und meist nur auf hellem Papier gegeben. Auf dem Foto siehst du, dass ich den weißen Stift über die blaue Fläche gemalt habe, doch es ist kaum etwas zu erkennen, ganz anders als bei den Polkadots im Acrylstift-Beispiel oben. Das Strichbild von Acrylstiften ist matt und satt, jenes von Filzstiften flach, tintig, streifig (siehe die Wolke). Acrylstifte sind also Malstifte und Filzstifte sind eher für Linien und zum Schreiben geeignet. Die Wolke würde ich in obigem Beispiel, würde ich sie regnen lassen wollen, eher mit Aquarell gestalten. Zudem wellt sich das Papier stark unter der dick ausgemalten Wolke, mit Acrylfarbe passiert das nicht. 

Pastellkreiden

Weichpastellkreiden sind traumhaft und heikel gleichzeitig. Traumhaft, weil sie Leuchtkraft pur, lebendig und samtig sind. Heikel, weil sie - aufgrund der hohen Pigmentdichte, aber geringen Bindemittel - schnell verwischen. Pastellkreiden benötigen am Ende, um am Papier zu haften, einen Fixierspray (z. B. Fixativ - am besten in Kreisbewegungen von oben nach unten und links nach rechts ansprayen). Auf glattem Papier haften Kreiden schlecht. Ideal ist raues Papier oder mit Gesso grundiertes Papier. Mit Pastellkreiden kannst du malen ohne Pinsel. Die Pinsel sind deine Finger. Die Farben lassen sich mit deinen Fingern verwischen und ineinanderreiben. Pastell lädt zu flächenhaftem, atmosphärischem Malen ein – ideal für Hintergründe, Emotion, Intuition. Wenn du während des Malens pausieren willst, legst du am besten vorsichtig ein Backpapier zwischen die Seiten, das hält die Kreide an ihrem Platz. Bei Pastell ist eine Devise: Weniger ist mehr.

Palette, Walze & Co

Werkzeuge dieser Art sind kein Muss, aber tolle Helfer. Ich spreche im Folgenden kurz darüber, was wofür geeignet ist und welche nachhaltige Alternativen es in fast jedem Haushalt gibt.

Eine Palette ist zum Mischen und Dosieren. Sie hilft, Material zu sparen und eigene Farbtöne zu kreieren. 

Walzen jeder Größte (also Gummi- oder Schaumstoffroller) helfen dir, schnell große Flächen zu färben. Es entsteht ein schöner Druckeffekt und es ist auch zum Schichten geeignet. Tipp: Nicht zu viel Farbe verwenden, sonst schmiert es. 

Eine Spachtel eignet sich zum Auftragen kräftiger, grober Farbflächen und für Struktur. 

Mit Schwämmchen kannst du sanfte Übergänge gestalten. Sie sind auch super zum Einfärben von Schablonen oder Stempeln. Verwende sie lieber nicht zu nass. Außerdem saugen Schwämme viel Farbe auf und sind daher eher für kleine Flächen zu verwenden.

Tapes

Mit Maler-Krepp kannst du super jene Seiten abkleben, wo du malen willst und dir einen weißen Rahmen erhalten möchtest oder sonstige Flächenaussparungen machen willst. Es ist (zeitnah) wieder leicht ablösbar. Was bleibt, ist ein (leicht zu gestaltender) spannend schöner Effekt. 

Mit farbigen Tape-Bändern (Washi-Tapes, Masking Tape, Papierklebeband ...) kannst du wunderbar Zeilen kleben oder auch Muster deiner Wahl. Im Fotobeispiel links siehst du, wie ich ein solches Muster geklebt habe. Rechts siehst du, wie ich es künstlerisch weitergestaltet und beschriftet habe. Das hier verwendete Tape (von Tesa, da gibt es unzählige verschiedene Farben) hat eine eher stoffige Oberfläche, weswegen es sich super beim Beschreiben und Bemalen eignet.

Aus Alt mach Neu

Wenn dir eine gestaltete Seite wirklich gar nicht gefällt und du das Bedürfnis hast, sie zu verändern - auch wenn es eine heilsame Übung sein kann, gerade die unperfekten Bilder liebevoll anzunehmen -, dann gibt es  natürlich (leichte) Möglichkeiten, die das Art Journaling bietet.
Es kommt natürlich auf die ursprünglich verwendete Technik an, doch hier einige Ideen: Du kannst die Seite mit Acrylfarbe übermalen. Du kannst sie auch mit weißem Gesso übermalen (das ist eine Grundierungsfarbe z. B. für Leinwände, die etwas länger zum Trocknen braucht und eine Papierseite recht "dick" werden lässt, aber nicht hart). Du kannst aus einem Magazin, einer Zeitung, einem Altpapier etwas ausschneiden und darüberkleben. Eine schöne Optik kann auch sein, aus diesem Papier Muster auszuschneiden oder es statt zu schneiden zu reißen oder es auch nicht über die komplette Seite zu kleben, sondern nur über einen Teil und den restlichen Teil mit einer anderen Optik zu verändern.

Nachhaltigkeit

Es gibt Unmengen an "Werkzeugen", die du ohne zu kaufen für dein Journal verwenden kannst. Einige möchte ich dir hier anführen, da du sie mit ziemlicher Sicherheit in deinem Haushalt hast. Aber zuvor noch ein Tipp zur Aufbewahrung: Wenn du gern Eis isst, hast du vielleicht hin und wieder diese Eis-Literboxen zu Hause. Wasch sie mit der Hand aus - schon hast du eine super Aufbewahrungsbox für kleines Journal-Werkzeug (das Innenteil kann sogar noch extra verwendet werden).

Als nachhaltige Alternative für eine Palette kannst du alte Teller, CD-Hüllen, Verpackungsdeckel, Plastikdosen oder (einmalig) sogar verwendetes, aber noch sauberes Backpapier nehmen. Statt ein Schwämmchen zu kaufen, kannst du einen Küchen- oder Duschschwamm zurechtschneiden. Auch Kosmetikschwämmchen kannst du verwenden.

Für eine improvisierte Spachtel nimmst du dir einfach eine abgelaufene Plastikkarte. Auch ein zurechtgeschnittenes Stück harter Karton eignet sich kurzfristig.
Außerdem kannst du einen Flaschenkorken mit einem Stück Stoff umwickeln und damit drucken. Du kannst Obstnetze für eine hübsche Hintergrund-Optik nehmen (z. B. mit Malerkrepp am Rand ankleben, übers Netz mlen, Krepp & Obstnetz abmachen).

Alte Zahnbürsten taugen gut für Sprenkler und Spritzer. Klopapierrollen kannst du als Stempel (rund oder zu einer Form zusammengedrückt am Abschluss) oder Walze (auf der Seite) verwenden (btw auch eine gute Möglichkeit, um eigenes Geschenkpapier zu bedrucken). Lass mich sehr gern wissen, auf welche umweltfreundlichen Ideen für Upcycling-Werkzeuge du noch kommst, ich bin gespannt!